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Autor Thema: Pflichtlektüre
Matanzero
Ganz neu hier



ID # 835




  erstellt: 19. Oktober 2008 17:08    zitat    pm   mail   
Dieses Buch sollten unbedingt alle lesen, die sich für Spanien interessieren! - aber auch jene, die gerne einem geistreichen, gebildeten Menschen, hervorragendem Erzähler, zuhören. Zitat:

"Als ich 1953 als Zwanzigjähriger zum ersten Mal nach Italien kam, glaubte ich, alles gefunden zu ha­ben, wonach ich, unbewusst, gesucht hatte. Der mediterrane Glanz traf mich wie ein Blitz, das gan­ze Leben war ein geniales, öffentliches Theater zwischen den achtlos hingestreuten Dekorationsstü­cken einer vieltausendjährigen grossen Kultur. Farben, Speisen, Märkte, Kleidung, Gesten, Sprache, alles schien raffinierter, bunter, lebhafter als in dem flachen nördlichen Delta, aus dem ich komme, und zog mich in seinen Bann. Spanien war danach eine Enttäuschung. Unter derselben mediterranen Son­ne schien die Sprache hart, die Landschaft dürr, das Leben derb. Es schien nicht zu fliessen, war nicht angenehm, war auf eine widerspenstige Weise alt und unnahbar, musste erobert werden. Heute habe ich eine ganz andere Einstellung dazu. Italien ist noch immer ein Traum, aber ich habe das Gefühl - es ist kaum möglich, über diese Dinge zu sprechen, ohne in eine fast mystische Sprache zu verfallen -, dass der Charakter Spaniens und die spanische Landschaft dem entsprechen, «was mich ausmacht», bewussten und unbewussten Dingen in meinem Wesen, dem, der ich bin. Spanien ist brutal, anarchis­tisch, egozentrisch, grausam, Spanien ist bereit, sich für Unsinn in den Ruin zu stürzen, es ist chao­tisch, es träumt, es ist irrational. Es hat die Welt erobert und wusste nichts damit anzufangen, es steckt in seiner mittelalterlichen arabischen, jüdischen und christlichen Vergangenheit fest und liegt mit sei­nen eigensinnigen Städten, eingebettet in diese endlosen, leeren Landschaften, da wie ein Kontinent, der an Europa hängt und Europa nicht ist. Wer nur die Pflichtrundfahrt gemacht hat, kennt Spanien nicht. Wer nicht versucht hat, sich in der labyrinthischen Vielschichtigkeit seiner Geschichte zu verlie­ren, weiss nicht, welches Land er bereist. Es ist eine Liebe fürs ganze Leben, das Staunen hört nie auf."

Cees Nooteboom, Der Umweg nach Santiago

Wer es ähnlich erlebt (wie meine Wenigkeit zum Beispiel), ist in richtigem Land. Wer nicht, sucht sich besser ein anderes, statt darüber zu jammern, dass der Aldi in Wuppertal die gleiche Büchse billiger anbietet oder der Handwerker in Castrop Rauxel pünktlicher erscheint.

Beiträge: 7 | Mitglied seit: Oktober 2008 | IP: gespeichert | User ist: offline
Manolito
Fast schon Admin



ID # 26




  erstellt: 19. Oktober 2008 18:10    zitat    pm   
Am achten Tage aber sprach der Herr:

»Lass' mich alle Schönheiten in einem Land versammeln, ihm Strände schenken, Schneegipfel, weite Felder und hohe Kuppen für die Burgen der Menschen — und möge darauf die Sonne 300 Tage im Jahr scheinen.«

Dann merkte der Herr, dass Italien nur ein Entwurf war.
Und schuf sein Meisterwerk: Andalusien.
(Frei nach Genesis.)

Saludos, Manolito.
PS.: NOCH chaotischer als Italien? Kaum möglich...

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España está más allá de la playa...

Beiträge: 988 | Mitglied seit: März 2006 | IP: gespeichert | User ist: offline




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